Die Logik der Schmerzen Institut für BioKinematik

Bio-Kinematik-Institut

Walter Packi

Arzt für Allgemeinmedizin

Begründer der Medizin nach der Biokinematik

 

 

 

 

Das Prinzip

 

Das Problem mit dem Schmerz beginnt bereits mit dessen Definition. Obwohl jedermann davon betroffen ist, ist bis heute nicht eindeutig geklärt, was Schmerz ist. Nach jahrzehntelanger Diskussion wurde 1979 folgendermaßen festgelegt, was Schmerz sein soll:

 

"Schmerz ist ein unangenehmes Sinnes- und Gefühlserlebnis, das mit aktueller oder potentieller Gewebsschädigung verknüpft ist oder mit Begriffen einer solchen Schädigung beschrieben wird."

 

(PAIN An unpleasant sensory and emotional experience associated with actual or potential tissue damage, or described in terms of such damage.)

 

"International association for the study of pain" ("PAIN" Band 6, S. 249-252 1979)

 

Sowohl in der Schmerztheorie als auch in der Schmerztherapie herrscht ein großes Durcheinander. Eine einheitliche Schmerztheorie gibt es nicht. Jede Schmerzerscheinung wird für sich alleine betrachtet und bekämpft. Der subjektive Standpunkt des erlebten Schmerzes bestimmt die Vorstellung über den Sinn des Schmerzes sowohl bei Laien als auch bei Fachleuten. Dieser subjektivistische Standpunkt schlägt sich in den Beschreibungen und Unterteilungen der verschiedenen Schmerzerscheinungen nieder. So gibt es diverse Nervenschmerzen, mehr als 150 verschiedene Kopfschmerzen, Gelenkschmerzen, Knochenschmerzen, Arzneimittelschmerzen, psychogene Schmerzen usw.

 

Allen Überlegungen gemeinsam ist die ungefähre Vorstellung, daß Schmerz einen Hinweis auf irgendeine Art von Gefahr oder Schaden verkörpern soll, ohne daß jedoch in der Medizin ein schmerzspezifischer Schaden definiert ist. Kann ein Zusammenhang zu irgendeiner Art von Schaden nicht hergestellt werden, dann wird der Schmerz zur eigenständigen Krankheit erhoben (autochthoner Schmerz, Schmerzkrankheit), losgelöst von Ursachen und damit im Prinzip nicht mehr therapierbar. Damit ist der Patient dann endgültig auf sich alleine gestellt.

 

Schmerzprobleme betreffen sämtliche Fachgebiete der Medizin. Je nach Fachbereich wird medikamentös therapiert, operiert, physiotherapiert, psychotherapiert oder alles kombiniert. Die Existenz von Millionen von chronischen Schmerzpatienten zeigt jedoch an, daß keine dieser Therapiearten wirklich wirksam ist.

 

Obwohl mit den heute zur Verfügung stehenden Techniken anatomische Details des Körpers bis in den molekularen Bereich dargestellt werden können und physiologische und biochemische Funktionen beliebig nachvollzogen werden können, ist damit die Erklärung des Schmerzes keinen Schritt näher gerückt. Irgendetwas kann also mit den bestehenden Theorien nicht stimmen, da trotz der nahezu beliebigen Fülle von Kenntnissen über den Körper keine brauchbare Therapie existiert.

 

In solch einer Situation ist die Frage notwendig und zulässig, ob denn die gängigen wissenschaftlichen Vorstellungen über den Schmerz im Grundsätzlichen überhaupt richtig sind, ob also die einschlägige Medizin nicht von Grund auf neu aufgebaut werden sollte. Denn das, was heute existiert, ist offensichtlich auf jeden Fall unzureichend, wenn nicht gar falsch.

 

Wenn es gelänge, das Schmerzgeschehen einer einheitlichen Theorie zuzuführen, wäre daraus eine in sich schlüssige Therapie abzuleiten. Daß ebendies möglich ist, soll aufgezeigt und in den Grundzügen im folgenden dargestellt werden.

 

Das Prinzip der Schmerztheorie

 

Der Mensch ist nicht für die moderne Zivilisation gebaut. Sein natürliches Umfeld ist die Situation, wie sie bei uns bis vor etwa 5000 Jahren existiert hat. Bis dahin mußte sich der Mensch mit der freien Natur auseinandersetzen statt mit der heutigen selbstgebauten Natur. Das Funktionsmuster des Menschen ist für die damalige Welt gedacht. Ein Verständnis menschlicher Funktionen und Dysfunktionen (Krankheiten) ist besser im Kontext der damaligen Welt möglich, ohne Technik, ohne Agrarprodukte und ohne domestizierte Tiere.

 

Auch die Logik der Schmerzvorgänge ist zweckmäßigerweise aus der damaligen Welt heraus abzuleiten, da die modernen synthetischen Lebensbedingungen zur Verfälschung von Reaktionen führen, bis deren natürlicher Sinnbezug verloren gegangen ist.

 

Welchen Sinn hat also der Schmerz für den Menschen in der freien Natur? Ist eine Existenz ohne Schmerz denkbar? Hat ein Naturmensch die gleichen Schmerzen wie ein Zivilisationsmensch? Was sind die Unterschiede bzw. Gemeinsamkeiten?

 

Nicht jede körperliche Veränderung führt zu Schmerz. Während eine lebensbedrohende Lungenentzündung nicht mit Schmerz verbunden ist, können banale Nadelstiche extrem schmerzhaft sein. Sofern Schmerz überhaupt einen Warnvorgang vor Schädigung darstellt, dann ist dies zumindest ein unzuverlässiger Parameter.

 

Schmerz besteht aus einem körperlichen Prozeß und einem Bewußtseinsprozeß.

 

Von seelischen Schmerzen abgesehen, ist es stets der physische Körper, der weh tut. Wenn Schmerzen entstehen, ist im Körper etwas vorgefallen. Ein Körper fühlt sich selbst jedoch nicht. Damit der Schmerz zum Schmerz wird, bedarf es eines Bewußtseins. Was im Körper vorgeht, wird gleichzeitig im Bewußtsein verarbeitet. Bei Bewußtlosigkeit gibt es keinen Schmerz. Wenn etwas Nachteiliges vorgeht, dann wird dies unangenehm zu Bewußtsein gebracht, z.B. schmerzhaft.

 

Ein Schmerzprozeß besteht damit aus zwei Vorgängen: der körperlichen Veränderung sowie deren bewußter Verarbeitung. Während körperliche Veränderungen materiellen Realitäten entsprechen, sind Bewußteinsprozesse abstrakte nichtmaterielle Gedankenvorgänge. Der Schmerz wird so zur Abstraktion einer materiellen Veränderung des physischen Körpers. Schmerz wird zum Gedanken.

 

Schmerzverständnis muß zweierlei berücksichtigen: die Regulation des Bewußtseins sowie die Regulation des physischen Körpers.

 

Schmerz ist von Bewegung abhängig.

 

Was ausnahmslos allen Schmerzen gemeinsam ist, das ist die Abhängigkeit von Bewegung. Jeder Schmerz kann durch Bewegung verstärkt werden bzw. durch Immobilisierung abgeschwächt werden. Wenn es also um das reine Schmerzverständnis geht, dann geht es in Wirklichkeit um das Verständnis von Bewegung. Wenn Bewegung den Schmerz verstärkt, dann muß gefragt werden, was an der Bewegung falsch ist, damit Schmerz entsteht. Oder anders ausgedrückt: Schmerz ist kranke Bewegung.

 

Für die Verursacher von Schmerzen gilt dann: Alles was im Stande ist, die Bewegungen des Körpers entsprechend zu stören (krank zu machen), alles das kommt als Schmerzursache in Frage. Damit münden sämtliche bekannten Schmerzursachen, vom Nadelstich bis zur Migräne, in eine gemeinsame Schiene, die kranke Bewegung.

 

Zu der Schmerztheorie gehört die Bewegungstheorie

 

Schmerztheorie gerät so in Abhängigkeit zu der Bewegungstheorie des Körpers. Damit Schmerz verstanden und therapiert werden kann, müssen zuerst die bewegungstheoretischen Eigenschaften des biologischen Körpers verstanden sein.

Die mechanischen Funktionen des Körpers werden mit den Mitteln der Kinematik, der Mathematik der bewegten Körper beschrieben. Die regulativen Funktionen des Bewußtseins werden mit den Mitteln der Kybernetik, der Mathematik der Logik beschrieben. Unter Zuhilfenahme von Kinematik und Kybernetik können die Gesetze des Schmerzes beschrieben werden.

 

Bewegungsgesetze werden allgemein mit den mathematischen Mitteln der Kinematik beschrieben. Normalerweise bezieht sich diese allerdings auf unbelebte technische Belange. Wie wird ein Fahrrad konstruiert und wie ein Flugzeug. Die biologischen Körper unterscheiden sich jedoch in einigen prinzipiellen Dingen von den technischen Maschinen, die der Mensch entwickelt hat.

 

Der wichtigste Unterschied besteht darin, daß technische Apparate aus toter Materie, die sich nicht regenerieren kann, besteht, während lebendige Körper sich selbst permanent erneuern können. Den Begriff des Verschleißes auf beide Systeme anzuwenden, ist von daher gesehen unsinnig.

 

Ein weiterer Unterschied besteht darin, daß Kreisbewegungen in der Natur nicht existieren können, da sie energetisch unstabil sind. Die menschliche Technik basiert jedoch in großer Masse auf der Kreismechanik. Die Erfindung des Rades gilt als eine der großen Errungenschaften des Menschen. Biologisch betrachtet ist das Rad ein Unsinn, da die Kreisbewegung nur unter permanenter externer Energiezufuhr bestehen kann.

 

Biologische Technik und synthetische Technik sind also nicht ohne weiteres miteinander vereinbar. Wenn Ausdrücke und Vorstellungen, die aus der synthetischen Technik entstammen, auf die biologische Technik übertragen werden, dann kommt es zwangsläufig zu Fehlurteilen (z.B. Verschleiß).

 

Um die Bewegungsvorgänge des menschlichen Körpers verstehen zu können, sind die Gesetze der Biologie zu berücksichtigen und in die bekannten Gesetze der Kinematik einzuarbeiten. Der Mensch untersteht den Gesetzen der Biokinematik und nicht nur der Kinematik.

 

Grundlagen der Bewegungstheorie

 

Ungeachtet der Unterschiede zwischen Technik und Biologie besteht eine jedwede Bewegung aus drei Komponenten, die für sich zu betrachten sind: dem Bewegungsumfang (Amplitude), der Bewegungskraft (Kraft), sowie der Bewegungsbahn (Geometrie).

 

Voraussetzung für eine Bewegung ist eine Kraft. Ob jedoch eine Bewegung mit viel Kraft oder mit wenig Kraft durchgeführt wird, hat auf den Ablauf einer Bewegung keinen weiteren Einfluß. Wenn einem Fahrradreifen ein Stoß gegeben wird, dann wird das Rad drehen. Wenn einem Stein ein Stoß gegeben wird, dann wird dieser wegfliegen. In welche Bewegung ein Kraftimpuls umgesetzt wird, hängt von den geometrischen Eigenschaften des bewegten Körpers ab. Ein Rad dreht, ein Stein fliegt.

 

Im menschlichen Körper ist dies auch nicht anders. Ob mit viel Kraft oder mit wenig Kraft ein Arm gehoben wird, ist für den Bewegungsablauf des Armes unerheblich. Die Bahn, auf welcher der Arm bewegt, hängt von den inneren geometrischen Strukturen des Armes ab. Sind in diesen Strukturen Veränderungen eingetreten , dann wird sich deren Bewegungsbahn ändern und unabhängig von der Kraft zu Störungen führen. Genau diese Störungen werden dann als das wahrgenommen, was als Schmerz bezeichnet wird. Ein Krafttraining hat im Sinne der Schmerztherapie somit keinen Effekt, sofern dadurch nicht die geometrisch relevanten Strukturen korrigiert werden. Spezifische Schmerztherapie besteht in einer Wiederherstellung der Geometrie des Körpers und nicht der Kraft.

 

Wenn bei einem Fahrrad die Kette heruntergesprungen ist, dann ist dessen Funktion gestört (krank), die Struktur gleichwohl in Ordnung. Was beim Fahrrad die heruntergesprungene Kette ist, das ist beim Menschen der Schmerz. Schmerztherapie besteht im Wiedereinlegen der Kette.

 

Die Bahn eines Fahrradreifens ist der Kreis. Die Bahnen biologischer Bewegungen (projektiv veränderliche Kegelschnitte) sind wesentlich komplizierter und trotzdem mathematisch genau so eindeutig definiert, wie die Kreisbewegung eines Fahrradreifens. Wenn der Fahrradreifen einen “Achter” hat, ist dessen Bahn gestört. Wenn eine körperliche Bewegung in ihrem Ablauf eine Abweichung erfährt, dann wird dies als Schmerz registriert.

 

Alles, was im Stande ist, im biologischen Körper die Bewegungsbahnen zu stören, wirkt als Schmerzursache.

 

Die Kraft ist für die Schmerzentstehung unerheblich. Ob ein Arm mit viel Kraft oder mit wenig Kraft bewegt wird, ist für dessen Bewegungsbahn ohne Einfluß. Ob ein Fahrradreifen mit viel Kraft oder wenig Kraft gedreht wird, die Bewegung bleibt trotzdem ein Kreis. Eine Therapie, die auf die Bereitstellung von Kraft aufbaut, hat deswegen auf das Schmerzgeschehen keinen Einfluß (Kräftigungstherapie, medizinische Trainingstherapie).

 

Der Schmerz selbst ist Resultat der gestörten Bahn, nicht der unzureichenden Kraft. Die Schmerztherapie besteht in der Korrektur dieser Bahn, nicht in der Vermehrung der Kraft.

 

Der Bewegungsumfang ist für die Schmerzentstehung ebenfalls unerheblich. Ob ein Arm in vollem Umfang bewegt werden kann oder nur bis zur Hälfte des biologisch möglichen, spielt keine Rolle. Ob ein Fahrradreifen vollständig im Kreis gedreht wird oder nur eine halbe Umdrehung durchgeführt wird, ist solange unerheblich, wie die Teildrehung als Kreissegment und nicht als “Achter” durchführbar ist. Derjenige Abschnitt, der bewegt werden kann, muß geometrisch ungestört bewegt werden können. Eine Erhöhung des Bewegungsumfanges hat auf den geometrischen Ablauf keinen Einfluß. Eine Schmerztherapie, die lediglich die Vergrößerung des Bewegungsumfanges zum Ziel hat, hat auf das Schmerzgeschehen keinen Einfluß (Dehnungsbehandlung, Stretching).

 

Der Schmerz ist Resultat der gestörten Bahn nicht des verminderten Bewegungsumfanges.

 

Bauteile der Biokinematik

 

Zum funktionellen Bewegungsapparat gehören Knochen mit Gelenkoberflächen, Gelenkbänder und Muskeln. Aus diesen Bauteilen besteht der mechanische Apparat des Körpers (Kinematik des Bewegungsapparates).

 

Zu einer vollständigen Bewegungseinheit werden mindestens zwei Knochen, ein Gelenkband und zwei Muskeln benötigt. Damit ist die Mechanik hinreichend festgelegt.

 

Alle weiteren Bewegungseinheiten im Körper sind einander dergestalt angepaßt, daß jede einzelne Bewegung zu sämtlichen anderen Bewegungen geometrisch eindeutig zusammenpasst. Dies wird im biologischen Körper dadurch erreicht, daß alle Teile ab einer bestimmten Embryonalphase in gegenseitiger Anpassung gemeinsam heranwachsen.

 

Der einzig variable Teil im System ist der Muskel. Indem er sich verkürzt, verändert er seine geometrische Form und erzeugt Kraft und Bewegung. Er arbeitet. Wer arbeitet kann Fehler machen.

 

Knochen und Bänder arbeiten nicht. Sie sind immer gleich. Sie übernehmen Kraft (Druck- und Zugkraft), aber sie bewegen nicht und verrichten damit keine Arbeit. Als Ursache für geometrische Störungen scheiden sie unter physiologischen Bedingungen aus.

 

Der Muskel

 

Ein Muskel verbindet zwei Knochen miteinander. Ein Muskel besteht aus vielen einzelnen Fasern. Jede dieser Fasern zieht wie die Finger einer Hand in eine andere Richtung. Bei der Innervation des Muskels werden alle Fasern gemeinsam aktiviert und produzieren eine gemeinsame Bewegung. Die innere geometrische Anordnung der einzelnen Muskelfasern bestimmt dann die Bahn der bewegten Knochen.

 

Diese Muskelfasern werden bei jeder Einzelaktivität beansprucht und sind störanfällig. Kommt es hier zu Veränderungen, dann ist die Bahn verändert und das bewegungsgeometrische Gefüge ist gestört. Kraftfluß und Bewegungsablauf passen nicht mehr zu den stehenden, unveränderlichen Strukturen, den Gelenkoberflächen, Gelenkbändern und Knochen. Es kommt zu pathologischen Kraftwirkungen und Bewegungsblockaden. Schmerz entsteht.

 

Zu jedem Schmerz gehört ein funktionsgestörter Muskel.

 

Zu einer Bewegung gehören zwei Muskeln.

 

Eine Bewegung wird von zwei Muskeln durchgeführt - einem Muskel für die Hinbewegung und einem Muskel für die Rückbewegung. Bewegungsumfang wie Bewegungsbahn sind vom Zusammenspiel beider Muskeln abhängig. Für den Schmerz ist nur einer von beiden Muskeln verantwortlich, nämlich derjenige, der in der Lage ist, die Bahn zu stören.

 

Stören kann nur der passive, unbewußte Muskel.

 

Indem die Gesamtheit der Fasern eines Muskels verkürzt, muß die Gesamtheit der Fasern des Gegenmuskels geometrisch gleichsinnig verlängern. Verkürzen kann ein Muskel jederzeit ungestört. Probleme können im Gegenspieler des aktiv verkürzenden Muskel entstehen, wenn in diesem scheinbar passiven Muskel innere geometrische Störungen enthalten sind. Dann wird die Verkürzungsbahn des aktiven Muskels ihrerseits gestört. Der bewegte Knochen wird nicht wie vorgesehen geführt, sondern er wird vom momentan passiven Muskel zu einer Bahnabweichung gezwungen.

 

Logik des Schmerzes.

 

Die Frage ist nun: wo wird der Schmerz empfunden; im aktiven, intakten Muskel oder im passiven, gestörten Muskel? Dies zu entscheiden, ist eine Sache der Bewußtseinslogik (Kybernetik des Bewegungsapparates). Vorweg: Der passive, nicht bewußt wahrgenommene Muskel beinhaltet die Schmerzursache, während der gesunde, jedoch arbeitende Muskel als schmerzhaft wahrgenommen wird.

 

Obgleich bei jeder Bewegung des Körpers stets ganze Muskelketten sowohl im passiven wie im aktiven Schenkel beteiligt sind, werden bewußt nur einzelne Teile dieser Ketten wahrgenommen. Wenn ein Gewicht mit der Hand angehoben wird, dann wird dieses Gewicht meistens im Bizeps bewußt wahrgenommen, obwohl das Gewicht ebenso im Unterarm und im restlichen Körper verarbeitet werden muß. Es wird auch nur der Bizeps und nicht sein Gegenspieler, der Triceps, wahrgenommen. Generell werden stets die momentan arbeitenden. Also verkürzenden Muskeln bewußt wahrgenommen, die momentan passiven Muskeln werden unbewußt geregelt.

 

Schmerz ist ein Teil des Körperbewußtseins

 

In der Wahrnehmung bewußter muskulärer Aktivitäten gibt es unterschiedliche Qualitäten. Da dies durchgehend eine Willküraktivität ist -der Skelettmuskel ist nicht autonom, wie z.B. der Herzmuskel- sind die momentanen Funktionszustände dem Bewußtsein zugänglich, um eine geregelte Willkür durchführen zu können. Man spürt also seinen Muskel. Man spürt die Kraft, die Müdigkeit, die Erschöpfung, die Steifigkeit und eben auch den Schmerz.

 

Körperbewußtsein ist ungleich verteilt und Ausdruck der Regulationslogik.

 

Während zur Tätigkeit eines Muskels stets eine Folge weiterer Muskeln (Muskelketten) inclusive deren Gegenspieler gehören, werden die Aktivitäten dieser Muskelketten lediglich in einem Segment der Gesamtkette wahrgenommen. Die Wahrnehmung projiziert sich dorthin, wo die Funktion der Kette am besten ausgebildet ist, bzw. wo das Bewußtsein konzentriert ist. Der Rest der Kette wird unbewußt geregelt.

 

Dies betrifft auch den Schmerz. Der Schmerz wird dort wahrgenommen, wo die Kette am besten funktioniert und nicht dort, wo die Einschränkung sitzt.

 

Dies ist Ausdruck der Logik. Der gesündeste Muskel im Verbund ist gleichzeitig der potentiell gefährlichste in der Kette. Wenn ein Kettenglied krank ist, dann muß der gesunde ggf. gebremst werden, um den kranken nicht zusätzlich zu schädigen. Eine Kette ist so stark wie ihr schwächstes Glied. Der Schmerz hat die biologische Aufgabe, den gesündesten Muskel in der Funktionskette zugunsten der kranken Teile auszubremsen.

 

Der Schmerz wird dort bewußt wahrgenommen, wo der Körper am gesündesten ist. Somit wird der Schmerz logischerweise zum Garanten für Gesundheit und nicht zum Indikator für Krankheit. Wenn ein Knie weh tut, dann ist der Schmerz die Garantie für die Gesundheit des Kniegelenkes. Eine Therapie im Orte des Schmerzes ist verkehrt.

 

Ursache von Schmerzen

 

Alles, was im Stande ist, die geometrisch relevanten Strukturen eines Muskels zu verändern, kommt als Schmerzursache in Frage. Dies kann eine Verletzung sein, eine rheumatische Erkrankung, einseitiges Training eines Muskels durch einseitige Arbeit und vieles mehr. Am weitaus häufigsten sind jedoch Dehnüberlastungen bei unterentwickelter Bewegungsamplitude.

 

Auslöser von Schmerzen

 

Auslöser (nicht Ursache!) von Schmerzen können vielfältiger Natur sein. Auch wenn in einer Muskelkette geometrisch relevante Störungen vorliegen, dann müssen deswegen nicht permanent Schmerzen bestehen. Ob eine Störung zu Schmerzempfinden führt, oder unterschwellig vorhanden ist, hängt von weiteren Faktoren ab, welche die muskulären Funktionen modifizieren.

 

Schmerzverursachend wirkt ein geometrisch gestörter Muskel nur dann, wenn er auch benutzt (rekrutiert) wird. Wenn solch ein Muskel durch andere Muskeln umgangen wird, dann stört er auch nicht. Der Körper verfügt dank seiner Vielfalt normalerweise über alternative Bewegungsmuster.

 

Generell spielt die Gesamtkondition eine bedeutende Rolle, ob ein Bewegungsmuster in ein schmerzhaftes Bewegungsmuster umschlägt oder unterhalb der Schmerzschwelle stabil bleibt. Faktoren, die die muskuläre Kondition beeinflussen können, sind in großer Zahl gegeben.

 

Die Muskulatur reagiert empfindlich auf physikalische Umgebungsreize (Wetter), chemische innere Reize (Nahrungsmittel wie Tee, Alkohol...) und psychische Reize (Stress). Der Konditionszustand der Muskulatur ändert sich täglich. Die Funktion ist in ausgeruhtem Zustand anders, als wenn man müde ist.

 

Therapieprinzip

 

Schmerz ist ein Objekt der Funktion und nicht der Struktur. Schmerztherapie ist eine Therapie der Funktion und nicht der Struktur. Therapien an Strukturen wie Massagen, Stretching, Dehnen, lokale Anwendung von Medikamenten oder Veränderung der Strukturen (Operationen) gehen am Thema vorbei.

 

Funktionen werden nach den Gesetzen der Logik geregelt (Kybernetik). Die Regelung des Körpers erfolgt auf der Basis der Informationen, die der Körper mittels seiner inneren und äußeren Sinnesorgane einsammelt.

 

Einfluß auf die Regulation kann genommen werden, indem diese Sinnesorgane gezielt gereizt werden, um somit regulative Veränderungen zu provozieren. Diese regulativen Veränderungen ziehen dann später ggf. strukturelle Veränderungen nach sich.

 

Therapiert wird an Muskelrezeptoren nicht am Muskel.

 

Einfacher ausgedrückt: Es genügt, die Mechanorezeptoren eines Muskels überschwellig zu reizen, um eine Veränderung des Muskels zu bewirken. Es ist nicht nötig, den Muskel selbst zu belasten, es genügt der Reiz an seinem Arbeitsmeßfühler, um den gleichen Effekt zu erreichen.

 

Die isolierte, gezielte Reizung von entsprechenden Rezeptoren ersetzt die tatsächliche Aktivität. Damit kann die Phase von hohen Belastungen abgekürzt werden. Damit können auch Situationen simuliert werden, die gar nicht existieren. Das ist so, als würde man dem Thermostaten in seinem Zimmer einen Eisbeutel umhängen. Die Heizung im Keller würde denken, es wäre zu kalt. Durch Simulation nichtexistenter Situationen können also Umregulationen erreicht werden.

 

Therapeutisch ist dies in der Schmerztherapie äußerst nützlich, da die Mechanorezeptoren gestörter Muskeln vergleichsweise gut erreicht und aktiviert werden können. Durch solch eine gezielte Reizung kommt es zur Normalisierung gestörter Funktionen.

 

Im Falle des Schmerzes ist dies die regulative Wiederherstellung der geometrischen Ordnung einzelner Muskelfasern.

 

Da der Muskel ein mechanischer Apparat ist, sind hier zunächst mechanische Reize angezeigt.

 

Im Einzelfall sind die funktionsveränderten ,störenden Fasern der Reihe nach aufzusuchen und zu korrigieren.

Therapie an Mechanorezeptoren erfordert eigene Techniken.

 

Die Regulation jeder Muskelfaser erfolgt über eigene Mechanorezeptoren, den Sinnesorganen des Muskels, welche den momentanen Funktionszustand messen und an das Gehirn weiterleiten. Sollen die Funktionen des Muskels geändert werden, werden Reizsetzungen an diesen Mechanorezeptoren zu Veränderungen des Gefüges führen.

 

Therapeutisch wird damit die Faser nicht direkt beeinflußt. Es wird vielmehr über den Umweg der Stimulation des Meßorganes eine Umregulation der Faser eingeleitet. Die eigentliche Regulation vollführt der Organismus selbst. Diese ist deswegen dann auch von Dauer. Eine Wiederholung ist nicht notwendig.

 

Praktisch gibt es verschiedene Möglichkeiten der Reizsetzung. Rezeptoren können adäquat (natürlich) oder inadäquat (unnatürlich) gereizt werden.

 

Im allgemeinen ist es einfacher, den Patienten zunächst in passiver Rolle zu belassen und ersatzweise inadäquat zu regulieren. Dies kann chemisch mittels einer Injektion eines Lokalanästheticums geschehen . Dieses wirkt initial als maximales Reizmittel. Damit ist eine sofortige Korrektur gewährleistet.

 

Die weitere Möglichkeit ist die mechanische Reizung am besten mit dem tastenden Finger. Durch Steuerung von Druckrichtung und Intensität kann sehr präzise die Spannung der aufgesuchten Faser neu eingestellt werden.

 

Adäquate Reizung besteht darin, daß die Faser aus maximaler Vorspannung heraus zum Arbeiten gebracht wird. Dies bedarf meistens äußerer Hilfe (Assistiertes Training). Wenn dies gelingt, dann ist mit der Rekrutierung der Faser die pathologische Spannung abgebaut und die Geometrie wieder synchronisiert.

 

Nachdem die Funktionen wiederhergestellt sind und die Aktivitäten des Körpers schmerzfrei durchführbar sind, liegt es am Patienten, diese wiedergewonnenen Freiheiten auch zu nutzen, um sie nicht wieder zu verlieren.

 

Walter Packi

Facharzt für Allgemeinmedizin

 

 

 

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