Die Logik der Schmerzen Institut für BioKinematik

Bio-Kinematik-Institut

Walter Packi

Arzt für Allgemeinmedizin

Begründer der Medizin nach der Biokinematik

 

v98.1

 

 

Kinematik, Kybernetik, Pathologie und Therapie der Kinematik.

 

 

von

Packi Walter

- Arzt -

Kaiser-Josephstr. 271

79098 Freiburg

 

 

Einleitung

 

I. Kinematik des biologischen Körpers

Bauteile des Systems

Muskel

Kegelschnittgeometrie der Muskulatur

Geometrische Funktion des Muskels

Mittelpunktskurve - das Gelenkband

Zwei Muskeln, ein Band - Satz von Roberts (9)

Geometrische Orte mit speziellen Eigenschaften

Geschwindigkeitspol (Weg)

Beschleunigungspol (Kraft)

Biologische Gelenke

Gelenknorpel - die Reibung im Gelenk

Das Bindegewebe des Muskels - das Endomysium

Reflexaktivierung des Endomysiums

 

II. Pathologie der Kinematik

Bahnabweichung

Bewegungsamplitude

Kinematische Einheit

 

III. Kybernetik des biologischen Körpers

Logik des Bewußtseins

Der Schmerz

Logik des Schmerzes

Schmerzdiagnostik

Jedem Schmerz seinen Muskel

 

IV. Therapieren an Rezeptoren - Eingriff in Steuern und Regeln

Rezeptororgane

Rezeptorenrealität und Realität

Schmerz ist nicht der einzige Ausdruck von Störungen der Bewegungsgeometrie

 

V. Umdenken ist notwendig

Morphine

Literatur

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Einleitung

 

Im Gegensatz zur Auffassung der Biomechanik ist der biologische Körper in allen seinen Teilen mathematisch durchaus darstellbar und erklärbar. Die nötigen mathematischen Werkzeuge findet man in den Lehrbüchern der Kinematik (2). Aus der Architektur ist die Statik wohl jedem bekannt. Die Statik beschreibt ruhende Zustände. Von der Statik kommt man zur Kinematik, wenn man von der Ruhe zur Bewegung kommt. Ist die Statik eines Bauwerkes gestört, dann fällt dieses zusammen. Ist die Kinematik eines lebendigen Körpers gestört, dann wird dieser krank.

 

Das Leben ist an Bewegung gekoppelt. Wenn die Bewegungsfähigkeiten eines Körpers eingeschränkt sind, dann ist damit die Lebensfähigkeit reduziert. Der Körper ist krank. Krankheit kann ihre Ursache in der unmittelbaren Schädigung irgendwelcher Organe haben. Krankheit kann aber auch entstehen, wenn die Bewegungsvorgänge gestört sind.

 

Störungen in der Kinematik können Krankheitscharakter aufweisen, ohne daß irgendein Organ spezifisch erkrankt wäre. Dies kann vorkommen, wenn das kinematische Zusammenspiel der einzelnen Körperteile gestört ist. Wenn also ein Muskel mit seinem Nachbarmuskel nicht mehr geometrisch koordiniert, wenn die mechanischen Funktionen innerer Organe, wie Herz-Kreislauforgane, Magen-Darmtrakt, mit dem Bewegungsapparat nicht mehr koordinieren, entstehen spezifische Störungen mit entsprechendem Krankheitswert. Hier gibt es also eine Fülle denkbarer und auch tatsächlich vorhandener Krankheitsursachen, die dann weder mit Medikamenten noch mit chirurgischen Eingriffen zu therapieren sind. Diese Krankheiten beruhen auf Pathologien der Kinematik des Körpers und nicht auf spezifischen Organschädigungen. In diesem Rahmen ist der Schmerz die wohl häufigste Störung jedoch keineswegs die einzige, welche sich somit als mathematisch definierbare Störung der Kinematik erweist. Alle Vorstellungen von Schmerzursachen, die Nerven, Gelenke, Entzündungen oder überhaupt Schäden als Ursache annehmen, sind falsch. Eine verlagerte Bandscheibe hat nichts mit Schmerzen zu tun. Nervenkompression als Ursache für die Ischialgie erweist sich als eine haltlose Vorstellung. Die Kribbelparästhesien, die Nervenkompressionen zugeschrieben werden, und dann zu Bandscheibenoperationen führen, sind Ausdruck kinematischer Störungen und kein Grund zu Operationen.

 

Kinematische Vorgänge sind Ausdruck des willkürlichen Bewegungsapparates. Die einzige geometrisch veränderliche Struktur des Bewegungsapparates ist der Muskel. Nach Ende des Wachstums verändern sich die Formen der einzelnen Teile des Körpers nicht mehr. Einzig der Muskel kann sich verkürzen oder verlängern, damit Arbeit verrichten und damit den Körper in Bewegung versetzen. Diese Veränderbarkeit beinhaltet gleichzeitig die denkbaren Störungen, welche den bewegungsgeometrischen Ablauf betreffen können. Störungen in der Kinematik sind somit im wesentlichen in der Muskulatur zu finden.

 

Seine Muskulatur kann jeder Mensch verändern, wie er will. Man kann den Muskel dick oder dünn, lang oder kurz umtrainieren. Hat man einmal die Techniken erlernt, kann jeder Mensch die Störungen im kinematischen Ablauf seines eigenen Körpers selbst kontrollieren. Schmerzen also, gleich ob Migräne oder Hexenschuß können somit mit eigenen Mitteln behoben werden.

 

Die Gesetze der Kinematik zeigen, daß der biologische Körper in allen seinen einzelnen Teilen in mathematischer Definition ideal aufeinander angeformt ist. Jeder äußere verändernde Eingriff zerstört diesen idealen Zustand mehr oder weniger. Damit ergibt sich klar, daß sämtliche orthopädischen Operationen, welche den Körper umbauen, ersatzlos zu unterlassen sind. Dies sind vornehmlich: Umstellungsosteotomien von Knochen, Bandplastiken, Verlagerungsoperationen von Muskeln. Ein besonders ernstes Thema in diesem Zusammenhang ist das präventive orthopädische Operieren von Kindern.

 

Solange ein Mensch noch über alle seine Teile selbst verfügen kann, kann er sich selbst in beliebeiger Richtung korrigieren. Wenn Teile des Körpers entfernt, verändert oder durch Fremdteile ersetzt wurden, ist eine Eigenkontrolle entsprechend nicht mehr möglich.

 

Der biologische Bewegungsapparat ist ein gesetzmäßiges, sich selbst bedingendes, bewegliches, geschlossenes System. Der Bewegungsapparat unterliegt den mathematischen Gesetzen der Bewegungsgeometrie (Kinematik). Die Definition der geometrischen Eigenschaften eines einzigen Bauteiles bestimmt den gesamten Bewegungsapparat.

 

Das Umsetzen von Kraft und Bewegung innerhalb des Systems kann mit den Mitteln der Kinematik dargestellt werden. Kraft wird als Voraussetzung für Bewegung systemintern hergestellt, der Verlauf der Bewegung ist jedoch unabhängig von Kraft. Die Bewegungsbahn ist das Ergebnis der geometrischen Form der bewegten Teile.

 

Dieses geschlossene System kann mit anderen Systemen, z.B. der Erde mit ihrer Anziehungskraft, interferieren und damit systemfremde Wirkungen entfalten. Die Regulation dieser Interferenzen ist eine Funktion des Bewußtseins.

 

Kontrolle sowie Regulation des Systems erfolgt entsprechend den Informationen, die spezifische Mechanorezeptoren, die Sinnesorgane des Bewegungsapparates, liefern. Funktionen und Fehlfunktionen werden bewußt wahrgenommen.

 

Die Regulationsvorgänge unterliegen den Gesetzen der Logik (Kybernetik) (1,4,10). Die Korrektur von Fehlfunktionen kann über die Beeinflussung kybernetischer Prozesse vorgenommen werden.

 

Der Bewegungsapparat ist als Willkürapparat das Ausführungsorgan des Bewußtseins. Funktionen und Dysfunktionen sind dem Bewußtsein zugängig und werden bewußt reguliert (Willkürmotorik). Geometrische Fehlfunktionen sind wahrnehmbar und können Krankheitswert annehmen( Schmerz).

 

Schmerz ist das bewußt gewordene Korrelat einer bewegungsgeometrischen Fehlfunktion. Die gezielte Stimulation von Mechanorezeptoren ermöglicht die Therapie des Schmerzes über die innere Regulation des Systems(Kybernetik).

 

Alles, was im Stande ist, die Bewegungsgeometrie des Körpers zu stören, führt zu dem Bewußtseinsvorgang, welcher als Schmerz aufgefaßt wird (spezifische Muskelkrankheiten, Verletzungen, gezielte chirurgische Veränderungen der Geometrie, Fehlfunktionen des Systems selbst (Verspannungen)). Schmerztherapie besteht in der Korrektur der Geometrie. Der Einsatz gezielter Stimulation von Mechanorezeptoren ermöglicht die Manipulation der inneren Regulation. Auf diese Weise kann der Organismus angeregt werden, von innen heraus die Korrektur der Bewegungsbahnen selbst vorzunehmen. Schmerztherapie ist somit eine Funktion der Logik.

 

 

I. Kinematik des biologischen Körpers

 

Bauteile des Systems

 

Kraftfluß sowie Bewegung innerhalb des Systems bestimmen die entsprechenden technischen Eigenschaften der Bestandteile des Systems. Wo Druckkräfte wirken, entstehen druckfeste Bauteile (Knochen). Wo Zugkräfte wirken, entstehen zugfeste Bauteile (Bänder, Muskeln). Wo Zug- und Druckkräfte im Wechsel wirken, entsteht ein Verschiebespalt (Schleimbeutel). Wo keine Kraft wirkt, entsteht nichts (Gelenk).

 

Kraft und Bewegung werden im Körper dergestalt umgesetzt, daß innerhalb des Systems keine systematischen Kraftverluste auftreten - ganz im Unterschied zu kreisdrehenden Mechaniken (Watt`scher Kolbenmotor), bei welchen die Normalkräfte (Lagerkräfte) als systemimmanente Verlustkräfte auftreten. Kreisbewegungen gibt es im biologischen Bewegungsapparat nicht.

 

 

Muskel

 

Der Muskel ist die aktive Struktur des Apparates. Er ändert unter Energieverbrauch und Kraftentwicklung seine geometrische Form. Er erzeugt gleichzeitig Kraft und Bewegung. Er arbeitet.

 

Muskelviereck

 

Ein Muskel ist ein physisches Gebilde mit äußeren Dimensionen, welches zwei Knochen miteinander verbindet. Die beiden äußersten Fasern des Muskels bilden mit ihren Ansatzpunkten an den beiden Knochen ein Viereck. Die krafterzeugenden Strukturen des Muskels sind linear als Faser angeordnet. Jede Einzelfaser hat eine unterschiedliche Richtung, sie sind weder parallel noch konzentrisch angegordnet. Bei der Erzeugung von Kraft werden die Fasern kürzer, jede Einzelfaser zieht in eine andere Richtung. Damit erzeugt jede Faser einen unterschiedlichen Kraftvektor. Die Gesamtheit der Vektoren könnte zu einer Resultierenden zusammengefaßt werden, womit der Gesamtkraftvektor bestimmbar würde. Masseter in situ

 

Mit diesem Vektor wäre jedoch nicht die Bewegungsbahn bestimmt, auf welcher der anhängende Knochen bewegt wird, da mit jeder Bewegungslage auch die Lage der Einzelfasern sich ändert und damit auch der resultierende Kraftvektor. Die neue Lage ergibt sich aus der alten Lage. Bewegungslagen sind durch die Betrachtung von Kraftverläufen alleine jedoch nicht bestimmbar.

 

Die bewegungsgeometrischen Eigenschaften des Muskelvierecks hängen von den Längen- und Winkelverhältnissen der beiden Außenfasern sowie der Länge des Knochenabschnittes ab, welcher zwischen den Ansatzpunkten der Außenfasern liegt.

 

 

Kegelschnittgeometrie der Muskulatur

 

Eine Kraft wirkt in gerader Richtung. Wenn zwei oder mehr Kräfte wirken, dann sind damit zwei oder mehr Geraden definiert, die sich in einem Schnittpunkt schneiden. Der Schnittpunkt und die Geraden können als Teil eines Kegelschnittes betrachtet werden.

 

Verlängert man die beiden Außenfasern eines Muskels bis zu deren Schnittpunkt, dann erhält man die Spitze eines KegelschnittesHyperbelsystem.

 

Projektionsgeometrisch kann der Schnittpunkt als Fluchtpunkt betrachtet werden. Nach dem Satz von Rivals (8),(1843, Paris) bildet sich ein Kegelschnitt in der Projektionsebene stets wieder als Kegelschnitt ab.

 

Die beiden Außenfasern eines Muskels besetzen an den jeweiligen Knochen je zwei Punkte. Die Verbindungsstrecke dieser beiden Punkte bildet an einem Knochen jeweils eine Gerade und am anderen Knochen die zugehörige projektive Abbildung der Geraden, entweder eine Ellipse oder eine Hyperbel.

 

Wenn die Außenfasern eines Muskels gleichsinnig verlaufen, dann bildet die Projektion eine Hyperbel aus. Wenn diEllipsensysteme Außenfasern des Muskels gekreuzt verlaufen, dann bildet die Projektion eine Ellipse aus. Das Hyperbelsegment ist gegenüber der Geraden konvex angeordnet, das Ellipsensegment ist konkav angeordnet. Die Insertionsstrecken von Muskeln an Knochen sind Geraden, Hyperbelsegmete oder Ellipsensegmente.

 

 

Geometrische Funktion des Muskels

 

In der Natur sind die Bahnen kongruent, die Formen inkongruent. Bewegungsbahnen sind nicht sichtbar, während man die Formen sieht. Die Abhängigkeit von Form und Bewegung bei biologischen Mechaniken ist schwierig zu erfassen.

Wenn ein Muskel verkürzt, dann produziert er damit eine geometrische Bahn, auf welcher der bewegte Knochen geführt wird. Alles, was fest mit diesem Knochen verbunden ist, wird im gleichen geometrischen Sinne mitbewegt. Was es im Körper nicht gibt, sind Kreisbewegungen und Geradbewegungen. Künstliche Hüftgelenke sind kugelförmig gebaut. Wenn kugelförmige künstliche Gelenke in den Körper eingebaut werden, dann werden zwei unterschiedliche mechanische Systeme zueinander gezwungen.

 

 

Mittelpunktskurve - das Gelenkband

 

Während einer vollständigen Bewegung gibt es zwischen den beiden bewegten Ebenen zugehörige Punkte, welche während der gesamten Bewegung konstante Entfernung zueinander behalten (Äquidistanten). Die Punkte, welche diese Eigenschaft besitzen, bilden als Punktemenge die Mittelpunktskurve (2),(Burmester 1888). Werden jeweils zwei entsprechende Mittelpunktspunkte der beiden bewegten Ebenen durch eine feste Faser miteinander verbunden, dann ergibt die Gesamtmenge der Einzelfasern die Struktur des Gelenkbandes. Während einer vollständigen Bewegung bleibt die Länge der einzelnen Fasern konstant.

 

Ein Gelenkband ist also weder locker noch straff. Ein Gelenkband dient nicht zur Stabilisierung des Gelenkes sondern zur Führung der Bewegung(7). Wenn ein Band zerstört ist, dann kommt es zu pathologischen Bewegungsfreiheiten. Wenn ein Band chirurgisch in seiner Form verändert oder verlagert wurde (Bandplastiken), dann kommt es zu Behinderungen der Bewegung, zu Blockaden, zu erzwungenen Falschbewegungen.

 

 

Zwei Muskeln, ein Band - Satz von Roberts (9)

 

Nach dem Satz von Roberts Pathologie der Kinematik nd es maximal drei geometrische Strukturen, welche ein und dieselbe Bahn definieren können (9). Für die Hin- und Rückbewegung eines Knochens werden zwei Muskeln benötigt. Obwohl diese Muskeln unterschiedliche geometrische Formen (Biceps/Triceps) aufweisen, erzeugen sie dieselbe Bahn, die durch das Gelenkband als dritte Struktur mathematisch eindeutig festgelegt ist.

 

 

Geometrische Orte mit speziellen Eigenschaften

 

Wenn ein Muskel arbeitet und damit das System in Bewegung bringt, dann gibt es in der bewegten Ebene Punkte, welche von speziellem Interesse sind.

 

 

Geschwindigkeitspol (Weg)

 

Ein Muskel bewegt einen Knochen relativ zu einem anderen Knochen. Alles, was an dem starren Knochen festgemacht ist, wird entsprechend mitbewegt. Da der Knochen nicht auf einer geraden Bahn bewegt wird, gibt es Punkte in der Bewegungsebene, welche momentan schnell bewegen, und Punkte, welche momentan langsam bewegen. Es gibt einen einzelnen Punkt, welcher momentan still steht, also nicht bewegt. Hier ist die Geschwindigkeit gleich Null. Der stillstehende Punkt ist der Geschwindigkeitspol.

Während einer vollständigen Bewegung wandert dieser Punkt auf der bewegten Ebene. Die Punktemenge der Geschwindigkeitspole ergibt die Geschwindigkeitspolkurve. Im Geschwindigkeitspol wirkt momentan Kraft, es gibt jedoch keine Bewegung. Der Geschwindigkeitspol hat eine Kraft, jedoch keine Bewegung.(2,4,6)

 

 

Beschleunigungspol (Kraft)

 

Das Zustandekommen einer Bewegung setzt Kraft voraus. Innerhalb einer bewegten Ebene ist die Kraft nach Richtung und Stärke unterschiedlich groß. Es gibt während einer momentanen Lage jeweils einen Punkt, wo die Kraft maximal ist, und einen Punkt, wo die Kraft gegen Null geht. Da, wo die Kraft gegen Null geht, ist die Beschleunigung gleich Null, es wirkt keine Kraft. Dieser Punkt ist der Beschleunigungspol.

 

Während einer vollständigen Bewegung wandert dieser Punkt auf der bewegten Ebene. Die Punktemenge der Beschleunigungspole ergibt die Beschleunigungspolkurve. Im Beschleunigungspol wirkt momentan keine Kraft, es gibt jedoch Bewegung. Der Beschleunigungspol hat eine Geschwindigkeit und keine Kraft.

 

 

Biologische Gelenke

 

Die Beschleunigungspolkurve entspricht der Oberfläche des Gelenkes. Biologische Gelenkflächen berühren einander punktförmig.Die Oberflächenkontur des Gelenkes entspricht der jeweiligen Ortskurve der Beschleunigungspole von zwei bewegten Knochen. Dies erklärt die sog. Inkongruenz der Gelenke. Die Gelenke dienen jedoch nicht der Kraftübertragung. Sie sind kraftfrei. Da das Gelenk kraftfrei ist, kann hier auch kein Kraftverlust auftreten.

 

Hebelgesetze auf Gelenke zu beziehen, wie es in der Sportmedizin und der Orthopädie üblich ist, führt zu falschen Ergebnissen und zu falschen therapeutischen Maßnahmen.

 

 

Gelenknorpel - die Reibung im Gelenk

 

Über das Gelenk werden keine Systemkräfte übertragen. Da die Ortskurve der Beschleunigungspole für jeden Gelenkpartner eine unterschiedliche Form aufweist, kommt es beim Durchbewegen der Partner zu unterschiedlichen Bewegungsgeschwindigkeiten. Der eine Knochen bewegt schneller als der andere, wodurch es zu Reibung im Gelenk kommt. Da der spröde Knochen Reibungskräfte nicht aufnehmen kann, benötigt er zur Herabsetzung der Reibung den Gelenkknorpel. Der Knorpel ist wie ein Schwamm mit Gelenkflüssigkeit vollgesogen. Wenn er unter Druck gesetzt wird, dann wird diese Flüssigkeit herausgepreßt. Sie wird dort am meisten herausgepreßt, wo der Druck am höchsten ist. Durch das Herauspressen von Flüssigkeit werden die Gelenkpartner voneinader durch ebendiese Flüssigkeit getrennt. Je höher die Belastung, desto geringer ist somit die Reibung.

 

Die Belastung, welche in diesem Sinne auf das Gelenk wirkt, kommt von außerhalb des Systems. Im einfachsten Fall wirkt die Schwerkraft komprimierend auf das Gelenk. Das während der Bewegung abwechselnde Leerpumpen und Vollsaugen des Gelenkknorpels mit Flüssigkeit dient als Zirkulationspumpe der Ernährung des Knorpels. Bei Bewegen ohne äußere Belastung oder bei vollständiger Ruhe mit oder ohne Belastung entfällt dieser Zirkulationseffekt. Die Ernährung sistiert, der Knorpel verhungert. Es entsteht die Arthrose (Inaktivitätsarthrose).

 

 

Das Bindegewebe des Muskels - das Endomysium

 

Neben den bewußt kontrollierten kontraktilen Aktin-Myosin-Filamenten, welche die Kraft herstellen, verfügt der Muskel über Bindegewebe, das Endomysium, das bewußt nicht wahrnehmbar ist. Dieses Endomysium ist nicht lediglich eine Art Matrix oder Haltestruktur, vielmehr sind ihm aktive mechanische Funktionen zueigen, die durch Palpation erfaßt werden können (eigene Beobachtung). Ein technisches Meßgerät, das die Funktion des Endomysiums darstellen könnte, gibt es bisher noch nicht. Die Aktivität des Endomysiums wird unbewußt kontrolliert im Gegensatz zu den erwähnten kontraktilen Aktin-Myosin Filamenten.

 

 

Reflexaktivierung des Endomysiums

 

Im Fall einer drohenden Überlastung durch Überdehnung wird das Endomysium reflexartig aktiviert, um den Muskel vor Zerreißung zu bewahren. Die Aktivierung betrifft nicht die Gesamtheit der vorhandenen Fasern, sondern lediglich jene, welche in Richtung der überdehnenden Kraft liegen. Es wird somit jeweils eine Einzelfaser aktiviert. Nach dem Tastgefühl ist diese Faser etwa so dick wie ein Bindfaden oder ein Nähfaden. Am Übergang dieses Fadens in den zugehörigen Knochen findet sich eine Verdickung, welche sich wie der Knoten eines Strickpullovers anfühlt. Dieser hat einen stets gleichen Durchmesser von ca. 2 mm. Technisch gesehen wirkt dieser Bindegewebsfaden als Sicherungsseil gegen Überdehnung. Wenn solch eine Reflexaktivierung erfolgt ist, dann bleibt die Funktion als Sicherungsseil beliebig lange auf gleichem Niveau bestehen, bis ein gleichgearteter Reiz wieder zur Deaktivierung dieser Sicherung führt (eigene Beobachtung). Gleichzeitig wird jedoch die freie Beweglichkeit des betroffenen Muskels eingeschränkt. Die bewegungsgeometrischen Eigenschaften sind verändert. Das System ist erkrankt.

 

 

II. Pathologie der Kinematik

 

Bahnabweichung

 

Wenn die endomysiale Funktion installiert ist, dann ist der Muskel gegen Überdehnung geschützt.

 

Die Aktivierung endomysialer (linienförmiger) Aktivität verändert die bewegungsgeometrischen Eigenschaften des Muskels. Die Bahn, welche dieser Muskel produziert, ist nicht mehr die Bahn über die vier Eckpunkte des Muskels, sondern es ist die Bahn über eine einzelne Faser. Der kontrahierende Muskel arbeitet nicht mehr gegen seinen gesamten Partner, sondern gegen eine einzelne Faser des Partners. Die Bewegungsbahn ist damit schlagartig verändert. Die allgemeine Bewegung mutiert zu einer Kreisbewegung. Der Knochen wird nicht mehr auf seiner vorgesehenen Bahn geführt, sondern rotiert um den Insertionspunkt dieser Einzelfaser. Damit ändert sich sowohl Kraftfluß wie auch Bewegungsablauf innerhalb des Systems. Es kommt zu Kraftwirkungen im eigenen System, auch im Gelenk wirken nunmehr Kräfte. Der Knochen wird auf einer Kreisbahn geführt, welche zur physiologischen Bahn nicht kongruent ist. Im Gelenk kommt es zu einer Luxationsbewegung, welche durch das Gelenkband nicht mehr definiert ist.

 

Schmerz entsteht jedoch nicht in dem Muskel, welcher gestört ist, sondern im kontrahierenden intakten Muskel, da dort die momentan bewußte Aktivität lokalisiert ist. Schmerz zeigt somit an, an welcher Stelle das System einwandfrei funktioniert. Eine Therapie am Ort des Schmerzes ist somit eine falsche Therapie.

 

 

Bewegungsamplitude

 

Das Verkürzen eines Muskels setzt die zugehörige Verlängerungsamplitude des Gegenspielers voraus. Diese ist Ausdruck der absoluten Anzahl von Aktin-Myosin-Filamenten in Serie. Wenn diese eingeschränkt ist, dann stoppt die Bewegung. Der theoretische Bewegungsumfang kann nicht erreicht werden. Will man den Bewegungsumfang erhöhen, dann muß der Organismus veranlaßt werden, mehr Elemente seriell einzubauen (serielles Muskelmassetraining). Im Gegensatz hierzu führt der parallele Anbau von Aktin-Myosin-Filamenten zur Verdickung des Muskels und damit zu einer Verschlechterung des Wirkungsgrades. Der Körper wird zum Käfig (paralleles Muskelmassetraining).

 

 

Kinematische Einheit

 

Die Bauteile für eine vollständige Bewegung sind: Zwei Muskeln, ein Gelenkband, zwei Knochen, ein Gelenk. Die geometrischen Eigenschaften all dieser Teile bestimmen die resultierende Bahn. Wird eines der Teile verändert, dann ändert sich auch die Bahn. Orthopädische Operationen, welche die Formen von Knochen verändern, oder Bänder und Muskeln verlagern, zerstören die kinematischen Funktionen.

 

 

III. Kybernetik des biologischen Körpers

 

Der menschliche Körper funktioniert nicht von alleine. Der Körper ist mit einem Bewußtsein versehen, um in Wechselwirkung mit seiner Umwelt treten zu können. Die Vielseitigkeit des zweibeinigen Körpers, welche die jedes anderen Lebewesens übertrifft, benötigt ein entsprechend umfangreiches Bewußtsein. Die jeweiligen Teilfunktionen des Körpers müssen geregelt und gesteuert werden (Kybernetik). Die kybernetischen Prozesse finden im zentralen Nervensystem (ZNS) statt. Die Willkürkontrolle über den Körper ermöglicht dem Individuum, mit seiner Umgebung in Wechselwirkung zu treten.

 

Bewußtseinsfunktionen sind für den Menschen in freier Wildbahn gedacht und geben dort auch Sinn. Im heutigen Umfeld müssen die Zusammenhänge manchmal erst gesucht werden. Depressionen, Angstzustände, Antriebslosigkeit usw. werden als Krankheiten empfunden, weil der naturbezogene Zusammenhang verlorengegangen ist.

 

Logik des Bewußtseins

 

Die inneren Funktionen des Körpers brauchen nicht bewußt reguliert werden, da die inneren Verhältnisse stets bekannt und konstant sind.

 

Die äußere Umgebung des Menschen ist stets variabel. Automatisierte (unbewußte) Regulationen sind hier nur bedingt möglich. Unbewußt kann nur reguliert werden, wo die Umgebung gesichert unveränderlich bleibt. (Lernvorgänge wie Maschineschreiben, Spielen eines Musikinstrumentes etc.).

 

Wo die Umgebung variabel ist, muß per Bewußtsein stets neue, angepaßte Regulation durchgeführt werden. Die innere und die äußere Umgebung des Körpers müssen aufeinander eingeregelt werden.

 

Zur Anpassung an äußere Gegebenheiten müssen alle diejenigen Teilfunktionen innerer Organe, welche außerhalb des Körpers zur Wirksamkeit kommen können, dem Bewußtsein zugängig sein (z.B. der Magen: Hunger/Essen ; Durst/Trinken). Alles andere bleibt unbewußt (Milz, Dünndarm). Zu Bewußtsein gelangen diejenigen Körperfunktionen, die auf irgendeine Art mit den Willküraktivitäten interferieren.

 

Der Bewegungsapparat ist ein willkürabhängiges Organ im Gegensatz zu autonomen Organen, wie dem Darm oder dem Herz-Kreislaufsystem. Ohne Bewußtsein tut der Skelettmuskel nichts. Umgekehrt kommt alles, was im Bewegungsapparat geschieht, zu Bewußtsein (Ausgeruhtheit, Kraft, Schwäche, Müdigkeit, Steifigkeit, Schmerz...).

 

 

Der Schmerz

 

Die Voraussetzung für die Entstehung von Schmerz ist die Fehlfunktion der Kinematik. Alle, was im Stande ist, die geometrischen Bewegungsbahnen zu stören, führt zu Schmerz.

 

Schmerzhaft ist die Bewegung und nicht die Struktur. Wenn ein Bein gebrochen ist, dann geht der Schmerz zurück, sobald das Bein im Gipsverband immobilisiert ist, obwohl die Verletzung immer noch unverändert ist. Ein vorhandener Schmerz wird durch Bewegung verstärkt.

 

Zwei Arten von Schmerz können unterschieden werden. Sie sind nach der auslösenden Ursache zu trennen. Die Ursache kann außerhalb oder innerhalb des Körpers liegen.

 

Von außen verursachter Schmerz ist akut, leitet die adrenerge Kampf- und Fluchtreaktion ein, ist zeitlich auf die Dauer der äußeren Einwirkung beschränkt und dort lokalisiert, wo der Körper physischen Kontakt mit der auslösenden Ursache hat.

 

Ursachen innerhalb des Körpers verursachen chronischen Schmerz, haben depressorische Wirkung, sind zeitlich nicht begrenzt und werden dort wahrgenommen, wo der Körper intakt ist, nicht, wo die Störung wirklich liegt.

 

Logik des Schmerzes

 

Zu Bewußtsein kommen Aktivitäten nicht Strukturen.

 

Wenn das geometrische Zusammenspiel zweier Muskeln so verändert wurde, daß die Kraft des kontrahierenden Muskels im Körper selbst zur Wirkung kommt, dann muß diese selbstzerstörerische Aktivität verhindert werden. Dazu dient der Schmerz. Der Schmerz ist dort lokalisiert, wo eine Bewegung beginnt, pathologische Wirkung zu entfalten. Der Schmerz soll verhindern, daß ein Schaden stattfindet. Er tritt also ein, bevor es zur Schädigung gekommen ist, und findet sich dort, wo eine potentiell schädigende Kraft aufgebaut wird. Käme der Schmerz erst bei Eintritt der Schädigung, dann hätte er keinen Sinn. Würde der Schmerz an der Stelle empfunden, wo die Schädigung stattfindet, dann hätte er keine schützende Funktion. Eine kranke Region kann sich nicht selbst unter Schutz stellen. Schmerz zeigt also keine Krankheiten oder Schäden, sondern selbstgefährdende Aktivitäten an. Der Schmerz ist eine spezielle Form der Eigenreflexhemmung.

 

Kontrahieren kann ein Muskel immer. Die Frage ist, ob der Gegenspieler den Weg freigeben kann oder ob er durch die erwähnten endomysialen Aktivitäten behindert wird. Zu Bewußtsein kommt in jedem Fall der aktive Schenkel einer Bewegung. Der passive Antagonist ist nicht bewußt.

 

Wenn die Bahngeometrie eines Muskels gestört ist, dann wird der Schmerz also im aktiven und gesunden Schenkel der Bewegung empfunden. Der Schmerz und andere Aktivitätswahrnehmungen wie Kraft, Müdigkeit oder Erschöpfung lokalisieren sich dorthin, wo die Struktur intakt ist. Eine Therapie am Ort der Beschwerden ist deswegen verkehrt.

 

Schmerzdiagnostik

 

Da sich im schmerzhaften Anteil einer Bewegung die Ursache des Schmerzes nicht befindet, stellt sich das Problem, den Gegenspieler des schmerzhaften Schenkels ausfindig zu machen, um dort therapieren zu können. Bei der Komplexität des menschlichen Körpers ist dies teilweise sehr schwierig. Man kann sich die Suche erleichtern, indem man zwischen den beiden möglichen Schmerzreaktionen (exogener, endogener Schmerz) hin- und herschaltet. Da der Schmerz in jedem Fall die gleiche Aufgabe hat, nämlich eine Bewegung zu verhindern, ist es im Prinzip gleichwertig, welcher Schenkel der Bewegung zu Bewußtsein kommt. Für das Blockieren der Bewegung genügt eine Schmerzwahrnehmung, gleich in welchem Bewegungsschenkel diese sich befindet. Wenn es also gelingt, die pathologische Bindegewebsspannung als die tatsächliche Ursache schmerzhaft zu Bewußtsein zu bringen, dann erübrigt sich der spontan bei der Bewegung entstehende Schmerz und verschwindet.

 

Wenn man hier also mit dem Finger diagnostisch palpiert und einen entsprechenden Druckschmerz hervorruft, dann wird der geklagte Schmerz unmittelbar verschwinden und man hat die ursächliche Störung topographisch isoliert. Hier an der gefundenen Ursache kann Therapie erfolgreich einsetzen.

 

 

Jedem Schmerz seinen Muskel

 

Schmerzen entsprechen geometrisch genau ihren zugehörigen Muskeln. Die Ischialgie wird durch den M.rectus abdominis verursacht. Schmerzen im Zentrum des Sakrums gehören zum M.adductor magnus. Der M.psoas verursacht Schmerzen, die den Bandscheiben zugeordnet werden. Usw.

 

 

 

IV. Therapieren an Rezeptoren - Eingriff in Steuern und Regeln

 

Rezeptororgane

 

Spezialisierte Rezeptororgane erfassen die momentanen inneren und äußeren Ist- Zustände (3). Für die verschiedenen Umgebungsenergien gibt es spezifizierte Organe (Auge, Gehör, Geschmack).

 

Die inneren Zustände werden über innere Meßfühler erfaßt (Propriozeptoren). Es gibt Mechanorezeptoren, Thermorezeptoren, Chemorezeptoren... Verschiedenartige Mechanorezeptoren durchsetzen das mechanische System an sinnvollen Stellen und registrieren relative Gelenkstellung, Kraft, Spannung, usw.

 

Die Rezeptoren der endomysialen Fasern sind in aktiviertem Zustand in charakteristischer Weise tastbar und über den ganzen Körper an jeweils identischen Stellen verteilt. Sie fühlen sich, wie bereits erwähnt, wie der Knoten eines Strickpullovers an und sind in ihren Dimensionen stets gleich groß, gleich ob am Gesäßmuskel oder Halsmuskel. Das Verteilungsmuster ist bei jedem Menschen gleich und somit erlernbar. Im Falle der pathologischen Aktivierung sind diese Rezeptoren äußerst druckempfindlich und lösen bei Berührung eine starke Schmerzreaktion aus. Im Normalfall sind sie druckunempfindlich.(eigene Beobachtung). Die Druckempfindlichkeit ebenso wie die tastbare Schwellung ist für Diagnosefindung und Therapie leitender Wegweiser (s.u.).

 

 

Rezeptorenrealität und Realität

 

Was der Organismus bewußt oder unbewußt über sich und seine Umgebung zur Kenntnis nimmt, ist das, was seine Rezeptoren melden. Solange die Meldungen stimmen und die Rezeptorenwirklichkeit der tatsächlichen Wirklichkeit entspricht, ist das ZNS realitätskonform unterrichtet. Wenn Meldungen ausbleiben, wenn sie falsch sind oder widersprüchlich, dann gibt es im ZNS ein Problem.

 

Gezielte Stimulation von Rezeptoren kann Realitäten vortäuschen, welche gar nicht existieren (induzierte Sinnestäuschung). Solch ein Vorgehen kann diagnostisch und therapeutisch genutzt werden, um Pathologien der Kinematik des Körpers zu korrigieren

 

Ziel jeder Schmerztherapie ist die Behebung bewegungsgeometrischer Fehlfunktionen. Diese Fehlfunktionen basieren auf der bindegewebigen linienförmigen Spannung innerhalb eines Muskels oder einer Muskelkette. Diese Spannung wurde durch den Körper selbst irgendwann aus gegebenem Anlaß eingerichtet (Dehnüberlastung) und ist ein physiologischer Vorgang. Um diese Bindegewebsspannung zum Verschwinden zu bringen, ist es notwendig, den Körper einem entsprechenden Reiz auszusetzen , so daß dieser wiederum im Sinne physiologischer Reaktionen sich veranlaßt sieht, die Spannung abzubauen. Von alleine verschwindet die Spannung jedenfalls nicht, was zwanglos erklärt, warum Schmerzen jahrzehntelang bestehen bleiben können. Wenn die Spannung aufgelöst ist, dann bleibt damit auch der zugehörige Schmerz verschwunden, es sei denn, der Betroffene setzt sich ein zweites Mal exakt der gleichen Dehnüberlastung aus. Dies kann bei einseitigen Dauerbelastungen in Beruf und Sport durchaus vorkommen.

 

Zur Auflösung der pathologischen Spannung gibt es prinzipiell zwei Wege.

 

Zum einen kann man durch assistierte und geführte Umkehrbewegung gegen Widerstand aus dem Schmerz heraus den Antagonisten zur Aktivierung bringen und damit die Spannung auflösen.

 

Zum anderen kann man diese Umkehraktivierung simulieren und dem Gehirn diese Tätigkeiten vorgaukeln, indem man die entsprechenden Mechanorezeptoren an den Insertionen dieser Fasern am zugehörigen Knochen inadäquat stimuliert, bis der Körper in einer Gegenregulation die Spannung von sich aus abbaut. (Schmerztherapie durch selektive Stimulation von Mechanorezeptoren und zugehöriger Simulation von nicht vorhandenen Muskelaktivitäten).

 

 

Schmerz ist nicht der einzige Ausdruck von Störungen der Bewegungsgeometrie

 

Die meisten inneren Organe haben mechanische Aufgaben, wie z.B. Herz- Kreislaufsystem, Lunge, Magen-Darmtrakt, Niere und Blase, Genitaltrakt, Leber und Gallenblase, Drüsenorgane, Sinnesorgane des Kopfes wie Augen, Gehör, Gleichgewichtsorgan und Nase.

 

Diese Aufgaben müssen mit den Tätigkeiten des willkürabhängigen Bewegungsapparates abgestimmt sein. Es besteht ein enges Abhängigkeitsverhältnis zwischen der Tätigkeit des Bewegungsapparates und der Tätigkeit der inneren Organe. Ein voller Magen macht müde. Herz und Kreislaufsystem sind behindert, wenn der Skelettmuskel verspannt ist. Die Lunge kann nicht atmen, wenn die Zwischenrippenmuskeln durch chronischen Husten in Richtung Ausatmung statt in Einatmung trainiert sind. Die Augenebene ist stets horizontal eingerichtet, wie jeder vor einem Spiegel selbst feststellen kann, während der Kopf über den Hals alle möglichen Stellungen im Raum einnehmen kann. Damit ist eine enge koordinative Abstimmung von Halsmuskeln und Augenmuskeln logisch notwendig. Liegt hier eine Störung vor, dann resultieren Sehstörungen, die mit dem eigentlichen optischen Apparat nichts zu tun haben und auch nicht durch Brillen korrigierbar sind. Wenn der Übergang der Halswirbelsäule zur Brustwirbelsäule bewegungsgeometrisch gestört ist, dann resultiert sowohl eine Störung der HWS wie auch des knöchernen Brustkorbes; was herauskommt ist eine Krankheit, die als Asthma bezeichnet wird.

 

Weitere Beispiele sind Angina pectoris, Magenschmerzen, Übelkeiten speziell in der Schwangerschaft, Seekrankheit, Hörsturz, Tinnitus, Denk- und Konzentrationsstörungen, Herzrhythmusstörungen, Herzinfarkt, Apoplex, abdominelle Erkrankungen verschiedener Art - im Prinzip sämtliche “Krankheiten”, die mit bewußten Wahrnehmungen einhergehen.

 

Die gesamte Palette dieser Krankheiten ist somit prinzipiell nicht durch Medikamente, sondern durch Korrektur der Kinematikstörungen zu therapieren. Medikamente sind hier allenfalls begleitend von Nutzen. Dies eröffnet positive Perspektiven, da solche Therapien, wenn die Techniken einmal erlernt sind, von jedem Patienten selbst durchgeführt werden können.

 

 

V. Umdenken ist notwendig

 

Was auf keinen Fall gemacht werden darf, ist den Körper in seinen kinematischen Eigenschaften gezielt verändern. Hierunter fallen nahezu alle orthopädischen chirurgischen Maßnahmen. Der Körper ist ein sich selbst bedingendes geschlossenes System. Die einzelnen Bauteile sind einander geometrisch ideal angepaßt. Eine “Verbesserung” ist rein theoretisch überhaupt nicht möglich. Somit führt jeder Eingriff, welcher geometrische Eigenschaften ändert, zu einer unwiderruflichen lebenslangen Schädigung des Patienten. Hierunter fallen speziell Operationen, welche Knochenwinkel verändern, Sehnen verlagern, Muskeln verlagern, Bänder “straffen” usw.

 

Speziell nachdenklich muß stimmen, wenn kerngesunde Kinder vorsorglich (!) etwa mit 8 Jahren an den Oberschenkeln operiert werden (Varisationsosteotomien), um späteren Beschwerden vorzubeugen. Die angebliche Krankheit besteht darin, daß der Schenkelhalswinkel etwas steiler ist als bei der Masse der hiesigen Bevölkerung. Da medizinische Technik und materielle Ausstattung gegeben sind, werden immer mehr Kinder Opfer dieser fatalen Einstellung.

 

Als Arzt muß man sich von dem Gedanken lösen, daß Schmerzen etwas mit Nerven, Gelenken, Knochen usw. zu tun haben. Die Existenz von Schmerzrezeptoren ist ein Produkt der Phantasie.

 

Begriffe wie Neuralgien, Ischialgie, Trigeminusneuralgie, Nervenentzündungen usw. sind am besten zu vergessen. Ebenso falsch ist es anzunehmen, daß ein Bandscheibenprolaps jemals Schmerzen verursacht hat. Ursache dieses Schmerzes ist der bewegungsgestörte M.psoas und nicht die dislozierte Bandscheibe;die Dislokation erfolgt aufgrund des kontrakten M.psoas. Die richtige Therapie ist also nicht die Entfernung der Bandscheibe, sondern die Korrektur des M.psoas. Zeugnis dieser gravierenden Verwechslung von Ursache und Wirkung ist das moderne Krankheitsbild des Postdiskektomiesyndroms, das sich dadurch erklärt, daß die Ursache des Schmerzes bei Bandscheibenvorfall, der kontrakte M.psoas, durch die Operation kaum verbessert wird.

 

Ebenfalls nicht existent sind psychogene Schmerzen. Wenn jemand unter Dauerschmerzen leidet, womöglich mit Schlafmangel verbunden, dann verändert sich auch dessen Psyche. Hier den Spieß umzudrehen und zu sagen, die Psyche sei Ursache, tut den Betroffenen schwer unrecht. Die Psyche kann durch ihren Einfluß auf die Funktionen des Bewegungsapparates Schmerzen modifizieren und Auslöser von Schmerzen sein, jedoch nie die Ursache.

 

Schmerzen bei Krebs sind genau so therapierbar, wie alle anderen Schmerzen auch. Nicht der Krebs macht den Schmerz, sondern die fortschreitende Kachexie (Auszehrung), die zu zunehmender Demaskierung vorhandener muskel-bindegewebiger Störungen führt. Die therapeutischen Prinzipien bleiben hiervon unberührt. Es ist jedoch mit dem Fortschreiten der Kachexie mit dem Auftreten immer neuer Schmerzen zu rechnen, die gleichwohl jeweils spezifisch therapierbar bleiben.

 

 

Morphine

 

Die einzige Situation, in der die Korrektur der Kinematik nicht mehr möglich ist, besteht, wenn der Patient unter Morphinen steht (inclusive Valoron, Temgesic, Fortral etc.)! Morphine entkoppeln das Bewußtsein von seinem Körper. Sämtliche Maßnahmen an Mechanorezeptoren greifen nicht mehr. Ebenso bleiben auch intensivste muskuläre Übungen ohne Erfolg. In den vergangenen Jahren habe ich mühevollst lernen müssen, daß unter Morphin eine Therapie nicht möglich ist. Es sind dies die einzigen Patienten, die ich zur Behandlung nicht mehr annehmen kann. Es trifft auch nicht zu, daß Morphine wie Valoron keine Suchtpotenz hätten. Ich habe praktisch noch keinen Patienten erlebt, der im Stande gewesen wäre, das Präparat wieder abzusetzen. Meiner nun 15-jährigen Erfahrung mit ca. 5000 Patienten zufolge sollte man mit dem Einsatz von Morphinen extrem zurückhaltend sein. Morphine sind als Analgetikum ohnehin nur im Akutbereich wirksam, d.h.bei frischen Verletzungen. Unmittelbar im engen Zusammenhang mit Operationen geben sie also nach wie vor Sinn. Nach wenigen Tagen bereits, wenn die Konsolidierungsphasen im Wundbereich begonnen haben, wirken sie zunehmend schlechter und leiten Abhängigkeiten ein.

 

 

Literatur

(1) Ampère, (1834) Essai sur la philosophie des sciences 2me édition identique à la première. 1856 Ier partie. p.48.

(2) Burmester, L. (1888) Lehrbuch der Kinematik, 1st Ed. Leipzig

(3) Ganong, W.F. (1971)Review of Medical Physiology, 4th Ed., Lange Medical Publications, CA, USA

(4) Hagedorn, L (1986) Konstruktive Getriebelehre 4th Ed. , Duesseldorf

(5) Hassenstein B (1977): Biologische Kybernetik. Quell&Meyer Verlag, Heidelberg

(6) Kraemer, O. (1978): Getriebelehre. G.Braun, 7th Ed. Karlsruhe

(7) Mueller, W. (1982):Das Knie. Springer Verlag Berlin, Heidelberg, New York

(8) Rivals (1853) Journal de l`Ecole polytechnique, T.XX, cah.35,p.112

(9) Roberts, S. (1875), Royal Society, London

10) Wiener, N. (1948) Cybernetics; or control and communication in the Animal and the Machine. John Wiley and sons, New York

 

 

v98.1

 

 

Walter Packi

Facharzt für Allgemeinmedizin

 

(März 1998)

 

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